Shades of Love I

Das kenne ich gut, meinte meine Freundin.

 

Nach dem man Jahre lang dachte, eine stabile Beziehung zu führen und den Partner mit allen möglichen Tugenden ausgestattet hatte, -die man gerne an ihm haben wollte bzw. die man, als man verliebt war, zu endecken meinte- und lauter Gemeinsamkeiten angenommen hatte, geht es auf einmal rapide Berg ab.

 

Meistens wird der Prozess durch eine wichtige Entscheidung die ansteht beschleunigt. Plötzlich endeckt man, dass der Partner nicht der ist, für den man ihn gehalten hat.

Er hat eigene Wünsche.

Und das schlimmste: die sind mit den eigenen unvereinbar.

 

Eigentlich gibt es keine Hinweise, dass diese Skizze von Partnerschaft jemals anders gewesen ist. Aber vieleicht sind die heutigen Ansprüche an den Partner gestiegen bzw. ist die ideale Vorstellunge von Partnerschaft diffuser geworden. Vielleicht trifft auch nichts von beidem zu, sondern man war früher genau so unglücklich wie heute (aber man hat das Leid als zum Leben dazugehörend empfunden), oder man hatte wichtigere Probleme, oder man wusste einfach nicht - es gab nicht so viel Werbung - dass es überhaupt anders sein könnte.

 

Eva Illouz, hebräische Soziologin, analysiert was sie selber als "Die neue Liebesordnung" bezeichnet anhand des aktuellen Bestsellers "50 Shades of Grey".

 

Was ich an der These von Illouz vor allem interessant finde ist die Tatsache, dass sie sich an den -politisch inkorrekten- negativen Seiten der Assimilierung des Femminismus durch die Gesellschaft wagt.

 

Angefangen bei der Feststellung, dass Männer, die deren Gesetze - die des Femminismus-  gelernt haben, jegliche Spontaneität - und damit oft jegliche Initiative - beim Kontaktaufnehmen mit Frauen verlieren (da sie in dem Paradoxon gefangen sind eine sexuele Beziehung, und vieleicht auch mehr, zu wollen und dies gleichzeitig kaschieren zu müssen) bis zu Beobachtung, dass sich die moderne Frauen nach maskulinen Männern bzw. nach das Maskuline im Mann insgeheim seelisch sehnen.

 

Mit der letzten These erklärt Illouz den Erfolg des Romans.

Kurz zusammengefasst handelt es sich beim der Trilogie "50 Shades of Grey" um die Bemühungen von Anastasia, der Protagonistin, Liebe und Autonomie unter einen Hut zu bringen.

 

Anastasia verliebt sich in einen sehr atraktiver und extrem potenten Mann, der jedoch unfähig - und darüber sehr bewusst ist - sich zu binden. Die Beziehung beginnt als sexueles, sodamasochistisches Verhältnis, in dem es darum geht, Grey zu befriedigen. Ana akzeptiert -und geniesst- zunächst alle möglichen Demütigungen aber im Laufe des Romans wird ihr streben nach Autonomie immer mehr im Vordergrund treten.

 

Laut Illouz ist der Erfolg des Romans nicht - wie es auf dem ersten Blick erscheint- die erotische Beziehung zwischen den Beiden, sondern die Lösung die es bietet für die Dilemmata der heterosexuellen modernen westliche Paare.

 

Welche sind diese Dilemmata?

 

Laut Illouz:

  • Fehlende Klarheit der Rollen: Heutzutage wechseln Männer und Frauen weibliche und mänliche Züge um sich in androgyne Wesen zu verwandeln, dies erzeugt eine große Unsicherheit in der Beziehung; man weiß am Ende nicht, wie man sich verhalten soll. Die SM-Beziehung bietet eine Lösung dafür, in dem sie uns die potenziellen Möglichkeiten des Subjekts vor Augen führt, bestehende Rollen und Position zu übergehen. Studien die sich mit dem Thema befasst haben, zeigen, dass es in der Tat mächtige Männer in Führungspositionen sind, die den masochistischen Pat übernehmen, wenn sie sich in eine SM-Beziehung einlassen.
  • Der innewohnender Widerspruch bei der gleichzeitiger Suche nach Autonomie und Bindung. Dieser Wiederspruch erzeugt diffuse Ängste und die SM-Beziehung würde es erlauben, diese diffusen Ängste in konkretes physisches Leid umzuwandeln, den man darüber hinaus auch noch unter Kontrolle hätte. Wenn man daraus auch noch Lust gewinnen kann, dann bekommt das Ganze auch noch eine libidinöse Bedeutung.
  • Der konsensuelle Aspekt der Beziehung. Heterosexuelle moderne Beziehungen basieren auf Konsens, auf Verhandlungen. Die Erwartung, dass ein so unsexy Prozess auch noch Lust erzeugt bzw. sie aufrechterhält, hat sich als Ilusion entlarvt.

Die SM-Beziehung im Roman wird als Kompromiss zwischen den traditionellen (machistischen) Rollen un den modernen, die uns erlauben könnte, die positiven Seiten dieser beiden Rollen zu genießen.

 

Wonach sehnen wir uns den konkret?

 

Nochmals laut Illouz:

  • Nach klaren Rollen, die uns ein großes Maß an Sicherheit bieten würden. Gleichheit bedeutet hingegen mehr Freiheit - für die Frau - aber auch mehr Unsicherheit.
  • Aus einer ungleichen Beziehung, in der sich die Partner brauchen, weil sie über komplementäre Eigenschaften verfügen, entsteht leichter ein Bindungsbedürfnis als aus einer Beziehung, die auf Gleichheit beruht, in der man eher ein Gefühl für die eigene Bedürfnisse und Rechte erzeugt.
  • Zuletzt ist es die Entlastung, nicht ständig Verhandeln zu müssen, womit die Beziehung an Spontanität gewinnt (und an Kommunikationsbedürfnis ÜBER die Beziehung verliert).

 

Illouz meint, der Erfolgt des Romans liegt daran, dass Sie ein gegenwärtiger Aspekt des soziales Unbewusstes artikuliert:

die Verunsicherung - ich würde fast sagen Blockade- der moderne Heterosexuelen Paare.

 

Und sie scheint recht zu haben, wenn man sich extrem gestiegene Verkaufsquoten der sexuelen Spielzeuge -Hilfsmiteln- die im Buch auftreten in EEUU anguckt.

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Comentarios: 2
  • #1

    anonym (lunes, 26 agosto 2013 22:04)

    Schaffen nicht vielfältige Rollenbilder, das war wir in der Psychotherapie "psychologische Flexibilität" nennen und eine Grundvoraussetzung für eine stabile Psyche und das Ziel unserer Bemühungen ist? Wer sich verunsichert fühlt, weil die Freundin mehr verdient als man selbst oder weil der Freund Elternzeit nehmen will, der hat doch andere Probleme als zu flexible Geschlechtergrenzen. Sollten wir zu diesen nicht in der Psychotherapie arbeiten, statt uns nach rigiden Geschlechtergrenzen und echten Männern und Frauen zurückzusehnen? Sollten wir nicht mithelfen Subjekte mit der Kraft auszustatten sich nicht auf rigide Denkmuster zurückzuziehen? Der ERfolg von 50 Shades of Grey beruht vermutlich in der Tat auf der Verunsicherung und den Doppelbotschaften, die Frauen und MÄnner heute erreichen. Die Antwort darauf wäre aber ein klareres JA zur Emanzipation und zur Gleichberechjtigung von Männern und Frauen.

  • #2

    georgiaribes (martes, 27 agosto 2013 21:52)

    wahrscheinlich sollten wir das alles...aber dan sind da die Gefühle- und die sexualität- und sie gehorchen uns nicht